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Herr Kusche

Ankommen am späten Nachmittag in der frühen Dämmerung. Reihenhausiedlung mit weihnachtlichen Leuchtkörpern, Lichter-netzen + Ketten. Leichter Schneefall bei 3 unter 0. Der Mann in der Tür erschrickt. Er hatte sich auf 1 ruhigen Abend eingerichtet mit reichlich Bier vom Kasten. Schon lange sparte er sich den Blick ins Programmheft. Auch auf die Mattscheibe sah er nur beiläufig, seit seine Frau ausgezogen war. Noch 2 saubere Hosen im Schrank und 1 Jackett auf dem letzten belegten Kleiderbügel. Töpfe und Geschirr aufgebraucht, was Fahrten zur Pommesbude nach sich zieht.
+ und jetzt steht dieser Mann vor ihm, der so aussieht wie er sich vor vielleicht ½ Jahr aus dem Spiegel entgegen blickte. Die Verblüffung gibt ihm einen Aufschub, begreift er mit alkoholbedingter Verzögerung.
„Sie sind Bernd Kusche“ sagt der Fremde. - Das kommt darauf an, was Sie wollen.“ – „eher nicht“, sagt der Mann. Ich bin gekommen, Ihren Platz einzunehmen. Es ist unserer Agentur zu Ohren gekommen, dass Sie nicht mehr zur Arbeit gehen, Rechnungen nicht bezahlen, sich grob gesagt nicht um Ihre Angelegenheiten kümmern. Wir haben 1 sehr günstiges Paket für Sie. Ich werde bei Ihnen einziehen. Ich bringe Ihr Haus in Ordnung, zahle offen stehende Rechnungen, spreche mit Ihrem Chef, kümmere mich um 1 lukrativeren Job für Sie + und kontaktiere Ihre Frau.. an den Abenden stehe ich ganz zu Ihrer Verfügung. Ich bin 1 ausgezeichneter Koch + und liebe Schneeschippen über alles + wer sonst könnte soviel Verständnis für Sie aufbringen.. Über die Kosten sprechen wir später“ + so geschah es.
Der Gast brachte das Haus in Ordnung, ging morgens zur Arbeit + und traf sich mit der Hausfrau. Mit der Zeit ließ Kusches Alkoholkonsum nach. Er fing sich etwas + und verließ zum 1 x das Haus. Schneeglöckchen und Krokusse in den Vorgärten.
In der Kneipe „Zum letzten Henker“ wurden lautstark Mordpläne geschmiedet.. Es ging da wohl um 1 Testreihe, , für die sich die Siedlergemeinschaft zur Verfügung gestellt hatte, ohne sein Wissen, da er zu dem Zeitpunkt nicht als vollwertiges Mitglied der Gesell-schaft angesehen wurde.
Wie funktionsfähig die Klone seien + welchen Einfluss sie auf ihr anderes Leben ausüben würden.
Sympathien stellten sich offensichtlich nicht 1. Auch keinerlei tiefere, geschweige denn telepathische Beziehungen, wie sie unter Zwillingen manchmal aufkommen.
Gedankenvoll ging Kusche nach Hause, machte das Abendbrot + wartete auf seinen Gast. Der begrüßte ihn freundlich
+ und setzte sich zum Essen. Am nächsten Morgen stiegen beide ins Auto + und Kusche betrat allein das Foyer, wo er als Herr Kusche begrüßt wurde.
Er fand schließlich sein Namensschild in 1 der oberen Etagen. + auf seinem Schreibtisch die Akte DG wie Doppelgänger. Im Terminplan stieß er auf 1 Verabredung zum Mittagessen mit seiner Frau. Die erwies sich als liebevoll und plauderte angeregt.
Als er nach Hause kam, saßen 2 Männer seiner Erscheinungsbilds am Esstisch.

Ruth Velser